Achtung:
Der Diplomstudiengang endet zum 31.3.2015!
Bitte beachten Sie den Aushang über das Ende des Diplomstudiengangs und den Aushang über die Entsprechung von Lehrveranstaltungen im Prüfungsplan.

Der Diplomstudiengang

Einleitung

Seit dem Wintersemester 1991/92 bietet die Universität Stuttgart den Studiengang Linguistik (Diplom) an, der vom Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung organisiert und betreut wird. Trotz seiner offiziellen Bezeichnung ist der Studiengang vor allem als computerlinguistische Ausbildung konzipiert -- mit einem entsprechend hohen Anteil an Informatik und Programmierpraxis; doch auch Spezialisierungen auf einige andere in Stuttgart besonders gut vertretene Teilbereiche der Sprachwissenschaft (Phonetik und Semantik) sind vorgesehen. Am Ende der Ausbildung steht in jedem Falle das Linguistik-Diplom -- eine ausgesprochene Seltenheit innnerhalb der deutschen Universitätslandschaft, in der Diplomabschlüsse normalerweise den Natur- und Sozialwissenschaften vorbehalten sind, während die Geisteswissenschaften sonst nur Magister und Staatsexamen kennen. Der Diplomstudiengang gliedert sich in zwei Ausbildungsabschnitte zu (in der Regel) je 4 Semestern, auf die das Abschlusssemester folgt, in dem die Diplomarbeit geschrieben wird.

Grundstudium top

Der erste Studienabschnitt, das Grundstudium, vermittelt die allgemeinen Grundlagen der Computerlinguistik, der Informatik und der Sprachwissenschaft. Am Ende dieser ersten vier Semester steht das Vordiplom, das aus drei Klausuren besteht, die natürlich auch schon zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben werden können. Der genauere Aufbau des Grundstudiums lässt sich an der folgenden Übersicht ablesen. Die Zahlen in Klammern geben die Semesterwochenstunden (SWS) an, d.h. die Unterrichtszeit pro Woche des jeweiligen Semesters. Achtung: eine SWS dauert nur 45 Minuten!

1. Sem. Einführung in die Informatik I (6) Logik und formale Grundlagen I (4) Einführung in die Linguistik (2) Software Labor I (4) Fremdsprache (4) 20
2. Sem. Einführung in die Informatik II (6) Semantik I (4) Einführung in die Computerlinguistik (4) Syntax I (4) Fremdsprache (2) 20
3. Sem. Formale Sprachen (4) Logik und formale Grundlagen II (4) Phonetik & Phonologie (4) Syntax II (4) Fremdsprache (2) Nebenfach (4) 22
4. Sem. Software Labor II (4) Statistische Methoden (4) Morphologie (2) Fremdsprache (4) Nebenfach (4) 18

Tabelle 1: Aufbau des Grundstudiums

Die Titel der Lehrveranstaltungen erklären sich größtenteils von selbst. Die Einführung in die Linguistik wird in der Regel gemeinsam von mehreren Dozentinnen und Dozenten gelesen und bietet einen allgemeinen Überblick über die einzelnen Kerngebiete der Linguistik. Diese Teilbereiche werden dann in Syntax I und II, Phonetik & Phonologie, Morphologie und Semantik I näher vorgestellt. Vor allem für den letztgenannten Kurs, aber auch für die Einführung in die Computerlinguistik, erweist sich Logik und formale Grundlagen I als unabdingbare Voraussetzung. In den Softwarelaboren werden praktische Fähigkeiten des Umgangs mit dem Rechner vermittelt; dazu gehören die Vertrautheit mit dem Betriebssystem UNIX sowie die Kenntnis der für die Computerlinguistik wichtigsten Programmiersprachen (wie PROLOG) und Hilfsprogramme (z.B. zur akustischen Analyse). Gegenstand der Vorlesungen zur Einführung in die Informatik sind Programmiertechniken, Algorithmen und Datenstrukturen. Weitere, vor allem für die automatisierte Syntaxanalyse (Parsing) einschlägige theoretische Grundlagen werden in dem Kurs Formale Sprachen vermittelt. Die Statistischen Methoden schließlich finden vor allem in der Auswertung von Experimenten und bei der automatischen Spracherkennung Anwendung.

Mit Ausnahme der Informatik-Vorlesungen (für die die Fakultät für Informatik zuständig ist) werden alle bisher genannten Kurse vom Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung angeboten. Die meisten dieser Grundstudiumskurse sind Vorlesungen mit begleitenden Übungen, wobei die Trennung zwischen den beiden Unterrichtsformen in der Praxis weniger scharf ist als im Lehrplan. Am Ende eines Kurses steht zumeist eine Klausur, die über Bestehen (den sogenannten Schein) und Benotung entscheidet. Die Kurse werden zwar -- wie die des Hauptstudiums -- auch von Teilnehmern anderer Studiengänge besucht, sind aber inhaltlich vor allem auf den Diplomstudiengang Linguistik zugeschnitten. Aus dem obigen Stundenplan ergibt sich, dass ein Jahrgang des Studiengangs jeweils ca. 16 - 20 SWS gemeinsam im "Klassenverband" dieselben Lehrveranstaltungen des Grundstudiums besucht. Lediglich in den Fremdsprachenkursen und im Nebenfach trennt sich die Gruppe.

Nebenfach top

Die Wahl des Nebenfachs sollte spätestens bis zum 3. Semester getroffen werden. Zur Zeit sind im Rahmen des Diplomstudiengangs die folgenden Nebenfächer zugelassen: Informatik, Allgemeine Linguistik, Französische Linguistik, Anglistische Linguistik und Philosophie. Auf Antrag kann stattdessen auch ein anderes Fach gewählt werden. Man sollte sich in jedem Falle rechtzeitig bei einem der Studienberater über die diversen Prüfungsanforderungen und Wahlmöglichkeiten informieren.

Hauptstudium top

Auch im Hauptstudium gibt es noch einige gemeinsame Pflichtveranstaltungen, doch bietet es insgesamt wesentlich mehr Gestaltungsfreiheit. Denn spätestens nach dem 5. Semester sollte man sich für einen von vier Schwerpunkten entscheiden, dem dann knapp ein Drittel der im Hauptstudium belegten Lehrveranstaltungen entstammen. Die möglichen Schwerpunkte entsprechen in etwa der Gliederung des IMS:

  • Theoretische Computerlinguistik (zum Lehrstuhl )
    Hierunter fallen fortgeschrittene Seminare zu Parsing und Syntax.
  • Anwendungsorientierte Computerlinguistik (zum Lehrstuhl)
    Dazu gehören z.B. die maschinelle Lexikographie ebenso wie die automatische Spracherkennung und die maschinelle Übersetzung.
  • Phonetik (zum Lehrstuhl)
    In diesem Schwerpunkt geht es unter anderem um die automatische Erkennung und Synthese gesprochener Sprache.
  • Logik und Semantik (zum Lehrstuhl)
    Dieser Schwerpunkt deckt die logische Bedeutungsanalyse in ihren Grundlagen und computerlinguistischen Anwendungen (z.B. bei Dialogsystemen) ab.

Innerhalb der Schwerpunkte gibt es wiederum eine gewisse Freiheit bei der Auswahl der Lehrveranstaltungen. Genaueres - auch zur Verteilung zwischen Schwerpunkt- und allgemeinen Pflichtveranstaltungen - regelt die Prüfungsordnung, die auch in gedruckter Form am IMS erhältlich ist.

5. Sem. Semantik II (4) Parsing I (4) Sprachsynthese I (4) Algorithmische Syntax (4) Nebenfach (4) 20
6. Sem. Allgemeine Pflichtveranstaltungen Nebenfach (4) 20
7. Sem. Schwerpunktpflichtveranstaltungen Nebenfach (4) 20
8. Sem. Wahlveranstaltungen, Studienarbeit Nebenfach (4) 20
9. Sem. Diplomarbeit ---

Tabelle 2: Aufbau des Hauptstudiums

Bei den fortgeschrittenen Lehrveranstaltungen des Hauptstudiums handelt es sich um Seminare, in denen die Studierenden Vorträge halten, die sie anschließend schriftlich ausarbeiten; in den anwendungssorientierten Kursen kann auch eine Programmierarbeit das Referat ersetzen oder ergänzen. Auswahl und Inhalte der fortgeschrittenen Seminare schwanken mit dem aktuellen Lehrangebot. Weitere und genauere Informationen bietet das jeweils gegen Ende des vorangehenden Semesters im IMS erhältliche Kommentierte Vorlesungsverzeichnis.

Am Ende des Studiums stehen -- neben den jeweiligen Nebenfachprüfungen - zwei Diplomklausuren sowie die Diplomarbeit. Letztere ist eine längere wissenschaftliche Arbeit, deren Anfertigung etwa ein Semester in Anspruch nehmen sollte. Das Thema der Diplomarbeit wird von den jeweiligen PrüferInnen vergeben, wobei Vorschläge der KandidatInnen stets willkommen sind. Als eine Vorbereitung auf die Diplomarbeit kann man die (weniger umfangreiche) Studienarbeit betrachten, die bereits im 8. Semester angefertigt wird. Nach Ablegung aller Klausuren und Benotung der Diplomarbeit wird dann - in der Regel nach dem 9. Semester - die ersehnte Diplom-Urkunde ausgestellt, und die Absolventen tragen den Titel Diplom-Linguist(in).

Ergänzungen und Alternativen top

Auslandsaufenthalt topic
Jedes Studium wird durch einen Aufenthalt als Gast an einer ausländischen Hochschule bereichert. Ein solches Auslandsjahr (oder -semester) dient nicht nur der Vertiefung der Sprachkenntnisse, sondern erweitert ganz allgemein den Erfahrungshorizont; darüberhinaus ergibt sich oft die Gelegenheit, wichtige berufliche und persönliche Kontakte zu knüpfen oder Kenntnisse auf Spezialgebieten zu erwerben, die an der Heimat-Hochschule weniger stark vertreten sind. Als Zeitpunkt ist allgemein das Hauptstudium zu empfehlen, also frühestens das 5. Semester, weil sich die Studienplatzwahl (auch) an fachlichen Neigungen und Interessen orientieren sollte, die vorher nicht immer voll ausgeprägt sind. Das IMS unterhält enge Beziehungen zu mehreren Informatik- und Linguistik-Instituten in Europa und Amerika und kann bei der Herstellung erster Kontakte wie bei der Vermittlung von Stipendien (ERASMUS, DAAD, etc.) und Studienplätzen behilflich sein. Übrigens: die an der ausländischen Hochschule erbrachten Leistungen lassen sich in der Regel auch für das Diplom-Studium anerkennen.

Praktikum topic
Die Prüfungsordnung sieht zwar kein obligatorisches (Industrie-)Praktikum vor, aber Erfahrungen als WerkstudentIn, PraktikantIn oder Hilfskraft in einem Softwarebetrieb, einem Verlag oder einem universitären Forschungsprojekt bilden zweifellos eine wichtige Bereicherung des Studiums und dienen nicht zuletzt der Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. Bei der Vermittlung entsprechender Industriekontakte ist das IMS gerne behilflich.

Alternativen topic
Computerlinguistische Kurse und Inhalte können in Stuttgart - außer im Diplomstudiengang Linguistik - auch in den Linguistik-Magisterstudiengängen sowie vor allem im Rahmen des Informatik-Studiums gewählt werden, das die Computerlinguistik als mögliches Nebenfach vorsieht. Weitere Informationen zu diesen Alternativen erhält man bei den zuständigen StudienberaterInnen. Schließlich bietet auch das externer Link Seminar für Sprachwissenschaft (SfS) der externer Link Universität Tübingen mit dem (Magister-)Studiengang Allgemeine Sprachwissenschaft und dessen Nebenfächern ein Programm an, das dem Stuttgarter Diplom-Studiengang in vielerlei Hinsicht ähnelt; Seminarscheine werden in der Regel gegenseitig anerkannt.

Nach dem Studium top

Nach dem Studienabschluss (Diplom bzw. Magister) bietet das IMS - Begabung und Interesse vorausgesetzt - die Möglichkeit einer computerlinguistischen Promotion zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.). Ein besonders attraktiver Rahmen dafür ist das vom IMS und dem Institut für Linguistik gemeinsam betreute Graduiertenkolleg Sprachliche Repräsentationen und ihre Interpretation, in dem zur Zeit 12 DoktorandInnen für jeweils 3 Jahre mit Stipendien und Sachmitteln gefördert werden. Aber auch die zahlreichen am IMS angesiedelten Forschungsprojekte bieten interessante Promotionsmöglichkeiten im Rahmen von Angestellten- oder Hilfskraft-Verträgen.

Arbeitsumgebung top

Den Studierenden am IMS stehen folgende Einrichtungen zur Verfügung:
  • Rechnerraum für Studierende: Für Rechnerübungen stehen Unix-Arbeitsplätze mit X-Window-Umgebung bereit. Darüber hinaus stehen für spezielle Aufgaben weitere Rechnerarbeitsplätze zur Verfügung.
  • Diplomandenarbeitsraum: Studierende, die Studien- oder Diplomarbeiten anfertigen, können hier einen Arbeitsplatz erhalten.
  • Für Arbeiten im Bereich gesprochene Sprache stehen gesonderte Rechnerarbeitsplätze zur Verfügung, ausgestattet mit spezieller Hard- und Software zur digitalen Sprachverarbeitung.
  • Institutsbibliothek: Der Zeitschriften- und Buchbestand der institutseigenen Bibliothek ist für Studierende zugänglich.
  • Fakultät für Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik: CL-Studierende erhalten für die Informatikkomponente des Studiums zusätzlich Rechnerzugang an der Fakultät für Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik.

Studieren in Stuttgart top

Stuttgart ist sicherlich keine klassische Universitätsstadt. Die Universität ist traditionell eher technisch orientiert, was man auch daran merkt, dass der überwiegende Teil der Institute auf dem naturwissenschaftlich-technischen Campus in Stuttgart-Vaihingen angesiedelt ist. Weitere Institute, darunter auch das Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung, liegen im dezentral strukturierten Unibereich Stadtmitte.

Wer Stuttgart und die Einheimischen kennengelernt hat, weiß das breitgefächerte kulturelle Angebot zu schätzen, das jedem Geschmack etwas bietet: Neben der etablierten Kultur, wie dem Staatstheater und der Staatsgalerie, gibt es eine lebendige, unabhängige Szene mit Kneipen, Programmkinos, zahlreichen Theatern und Open-Airs. Erwähnenswert ist auch die Umgebung von Stuttgart, die nicht nur das kulturelle Angebot der Stadt bereichert, sondern sich auch für Freizeitaktivitäten wie Wandern und Skifahren, zum Beispiel im nahegelegenen Schwarzwald, anbietet.

Berufsaussichten top

ComputerlinguistInnen stehen zahlreiche Berufsmöglichkeiten offen. Ein Teil der Einsatzgebiete sind klar der Grundlagenforschung zuzurechnen, die vor allem an den Universitäten, aber auch in den Forschungszentren der großen Computerfirmen betrieben werden. Computerlinguistisches Know-how - zusammen mit soliden Programmierkenntnissen - ist aber auch in kleineren und mittleren Betrieben gefragt, die intelligente Software im Umfeld elektronischer Medien herstellen und die zugehörigen Dienstleistungen anbieten. Für den effizienten Zugriff auf große Dokumentmengen im Internet und in firmeninternen Netzen (Wissensmanagement) und zum Zugriff auf elektronische Produktkataloge (E-Commerce) werden linguistische Komponenten wie Thesauri und Textanalyse-Systeme benötigt. Außerdem können häufig wiederkehrende Benutzeranfragen z.B. in Benutzer-Help-Desks mittels linguistischer Software computergestützt bearbeitet werden. Weitere Anwendungsgebiete sind computerunterstützte Übersetzer- und Lexikographen-Arbeitsplätze, maschinelle Übersetzung und Sprachlern-Software.

Für Diplom-LinguistInnen mit Phonetik-Schwerpunkt gibt es einerseits den Bereich der Spracherkennung, z.B. in telefonischen Dialogsystemen und der Sprachsteuerung von Software wie z.B. einem Fahrzeug-Navigationssystem. Andererseits gibt es den Text-to-Speech-Bereich, d.h. die Erzeugung gesprochener Sprache zum Vorlesen von E-Mails in mobilen Anwendungen usw. Außerdem gibt es Betätigungsfelder in der Diagnose und Therapie von Sprachstörungen und in der Sprechererkennung im Sicherheitsbereich.